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Katakomba

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Mittwoch, 21. Oktober 2015, 21:37

Car-Hifi: Tipps, Tricks sowie Grundlagen, Teil 1.8 Verkabelung - Störungsfreie Signale und sauberer Stromfluss

1.8 Verkabelung - Störungsfreie Signale und sauberer Stromfluss

Wie verlegt man die Kabel?
Und vor allem: wie dick und lang sollen sie sein?


Das Pluskabel wird direkt an den Pluspol der Autobatterie angeschlossen, muss also einmal quer durchs Auto und muss deshalb sehr lang sein. Das Pluskabel muss etwa 30cm nach der Batterie abgesichert werden, dazu schneidet man ein 35cm langes Stück ab, und setzt einen Sicherungshalter ein. Mittlerweile hat sich der robuste ANL-Standard für Sicherungen durchgesetzt, teilweise gibts aber auch noch veraltete Glasrohrsicherungen (AGU), die nicht zum empfehlen sind. Die Sicherungwert richtet sich nach dem Kabel, nur indirekt nach den verbauten Endstufen! Nachdem alles wasserdicht verschraubt und massiv befestigt ist, gehts durch irgendeine Gummitülle durch die Spritzwand in den Innenraum. In fast jedem Wagen gibts irgendwo auf der Fahrerseite einen leeren Gummistopfen, den man dann einstechen und das Kabel durchführen kann. Damits richtig "flutscht", kann man sanftes Spülmittel zu Hilfe nehmen. Den Stopfen nur so weit einstechen wie nötig, der Innenraum soll ja nicht feucht werden bei der nächsten Regenfahrt!

Das Cinchkabel sollte etwa einen halben Meter länger sein als das Fahrzeug, aber wie schon beim Stromkabel gibts auch hier Schwankungen in der Länge. Hier auf jeden Fall lieber etwas länger kaufen, da man sie nicht verlängern kann!

Das Massekabel hat dagegen einen sehr kurzen Weg und ist deshalb auch sehr einfach zu verlegen. Man muss sich nur einen geeigneten Massepunkt im Kofferraum suchen. Wenn man dort mal unter die Verkleidungen schaut, sieht man meist einige solcher Punkte, an denen manchmal schon andere Verbraucher angeschlossen sind. Für die Anlage aber lieber einen noch nicht benutzten Punkt suchen! Hierbei ist wichtig, dass der Punkt aus massivem Blech besteht und so einen guten Kontakt zur Fahrzeugkarosserie hat. Wenn dort Lack vorhanden ist, sollte man ihn abschleifen, um einen guten Stromfluss zu gewährleisten, und Zinkspray draufsprühen (gegen Rostbildung und gegen Oxidation!). Bei Fahrzeugen ohne abgetrennten Kofferraum bieten sich auch die Verschraubungen der Anschnallgurtschlösser unter der Rückbank an. Keine Sorge, da passiert nichts! Nur sollten die Gurtschlösser natürlich wieder bombenfest verschraubt werden. Der Strom "wandert" dann durch die Karosserie bis zu einem Massekabel im Motorraum, welches zum Minuspol das Batterie führt. Ist dieses Massekabel im Motorraum, was ab Werk verbaut ist, zu dünn, können Strörungen auftreten. Gerade bei stärkeren Anlagen lohnt sich daher dort ein zweites Massekabel zu verbauen.

Kleiner Tipp:
Niemals Befestigungen von Rückleuchten, oder andere Zweifelhafte Punkte in Betracht ziehen, und lieber die beschriebenen Befestigungsstellen verwenden, da sich das Massekabel sonst löst, und die Anlage somit nicht mehr funktioniert. (Also einen Fehler schon mal ausschließen)

Alle Strom- und Massekabel sollten den gleichen Querschnitt aufweisen! Dabei gilt: Dicker ist immer besser, leider eben aber auch recht teuer. Für Einsteigeranlagen sollte man sie also nur so dick wie nötig kaufen, jedoch keinesfalls dünner. Einen groben Anhaltspunkt geben die Sicherungen der Endstufe: Sind dort z.B. 2x30A-Sicherungen verbaut, sollte man ein Kabel nehmen, dass für 60 Ampère ausgelegt ist. In der folgenden Tabelle wurde Wert auf größtmögliche Sicherheit gelegt. Bitte die untenstehenden Werte zu Herzen nehmen, und eher einen größeren Kabelquerschnitt wie benötigt verwenden, ansonsten bezahlt keine Versicherung einen eventuellen Schaden, der durch schmorende Stromkabel entstanden ist!

Grobe Aufteilung: (Watt RMS ausgehend von 50% Wirkungsgrad der Endstufe(n))
- bis 20A: 6mm² (bis etwa 140 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 30A: 8mm² (bis etwa 210 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 40A: 10mm² (bis etwa 280 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 60A: 16mm² (bis etwa 430 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 80A: 20mm² (bis etwa 570 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 100A: 25mm² (bis etwa 720 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 120A: 35mm² (bis etwa 860 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 150A: 50mm² (bis etwa 1.080 WRMS Ausgangsleistung)
- bis 200A: 70mm² (bis etwa 1.440 WRMS Ausgangsleistung)
- darüber hinaus: Mehrere Kabel nehmen!

Die Wattangaben können je nach Wirkungsgrad der Endstufe(n) stark variieren. Eine "digitale" Klasse-D-Endstufe, die vor allem für Subwoofer eingesetzt wird, kann z.B. auch einen höheren Wirkungsgrad aufweisen. Ebenso sind alle Endstufen bei höheren Impendanzen meist wirkungsgradstärker und entwickeln weniger Hitze, da sie dort auch weniger Leistung abgeben. Ergeben die Sicherungswerte zusammen z.B. 110A und man nimmt 25mm²-Kabel und sichert es vorn mit 100A ab, ist das insofern in der Regel auch nicht weiter tragisch. Die Sicherungswerte der Endstufen sind immer auf den Höchstverbrauch bei niedrigst möglicher Impedanz ausgelegt, trotzdem sollte man IMMER den maximalen Stromverbrauch einer Endstufe als Anhaltspunkt nehmen!

Das Cinchkabel oder auch RCA-Kabel, überträgt die Tonsignale vom Autoradio zur Endstufe. In Deutschland hat sich fälschlicherweise die Bezeichnung Chinch ("Tschinsch") durchgesetzt, Cinch ("Sinsch") ist aber richtig. Falls man sich mal im englischen Sprachraum aufhält, sollte man es als RCA-Cable bezeichnen. Wichtig beim Cinchkabel ist vor allem eine gute Schirmung. Gerade moderne Autos sind voller Elektronik, die die recht schwachen Soundsignale stören könnten, was dann zu nervigen Nebengeräuschen führen kann. Also nicht das billigste Cinchkabel für den Hausgebrauch nehmen, sondern darauf achten, dass eine Abschirmung vorhanden ist. Je nach Ambitionen kann man ein Vermögen für Cinchkabel ausgeben und einige Leute behaupten, die Unterschiede zwischen günstigen und teuren Kabeln hören zu können. Fakt ist: Den meisten reicht das gute Günstige für 10-15 Euro, ich persönlich würde mich im Preisrahmen zwischen 15 und 45 Euro für ein 5 Meter langes Kabel bewegen.

Verlegetipp für die Kabel:

Das Stromkabel für die Endstufe/n kann man in der Regel in Fahrtrichtung "links" vorbeilegen, denn das Stromkabel stört ein Kabelbaum der Bordelektronik nicht so sehr wie das Cinchkabel. Auch ein gut Abgeschirmtes Cinchkabel ist doch etwas anfällig für Störungen, und sollte nicht zusammen mit dem Stromkabel am Fahrzeugkabelbaum entlang gelegt werden. Am besten wäre ggf. die Mittelkonsole, oder, wem das zu viel Aufwand bedeuten würde könnte auch die in Fahrtrichtung "rechte" Seite verwenden.
Dies kann natürlich von Fahrzeug zu Fahrzeug auch variieren.

Das Remotekabel dient dazu, ein Steuersignal an die Endstufe zu senden. Solange das Autoradio läuft, sendet es ein Dauersignal an die Endstufe. Wird das Radio ausgeschaltet, erlischt das Signal, und die Endstufe geht auch aus. Das ist wichtig, damit die Endstufe nicht permanent Strom von der Batterie abzieht (ganz unterbinden kann man es allerdings nicht). Das Remotekabel ist in vielen Cinchkabeln der unteren Preisklasse bereits integriert, dort aber meist so dünn, dass es kaum stabil verbunden werden kann. Ein zusätzliches, einfaches 0,75mm²-Kabel neben dem Cinchkabel verlegt ist deutlich besser und kaum teurer.

Hier noch einfache Regeln:
Stromkabel für die Endstufe/n in der Nähe vom Autokabelbaum: ok
Cinch und Remotekabel in der Nähe vom Autokabelbaum: NICHT ok
Sicherung größer als es der Stromkabelquerschnitt zulässt: NIE, auf garkeinen Fall!

Warum Stromkabel, Cinchkabel, "Remotekabel" oder gleich "Stromkabel-Set´s"?

Stromkabel braucht man, weil der herkömmliche Kabelbaum vom Auto nicht das hergibt, was eine Endstufe an Strombedarf hat. Je nachdem, wieviel Leistung die Endstufe hat, an dem der Subwoofer hängt, richtet man auch den "Kabelquerschnitt". Einen anstädigen Kabelquerschnitt braucht man zudem, weil man nicht "230" Volt im Auto hat, sondern "12Volt". Je niedriger die Voltzahl ist, desto größer muss der Querschnitt vom Kabel sein, um Verluste weitestgehend zu vermeiden. Der Kabelquerschnitt ist vereinfacht ausgedrückt die dicke des Stromkabels, besser gesagt die "Fläche" in mm², und zwar nicht zusammen mit der Isolierung, sondern rein das Metall darin. Am besten ist natürlich immer reines Kupfer, und keine Mischung mit Alu. Kupfer-Alu-Mischungen sind günstiger zu haben, doch von der Qualität empfiehlt es sich immer ein OFC-Kupfer-Stromkabel zu nehmen. Das "OFC" sagt aus, dass das Kupfer annähernd Sauerstofffrei ist. Wie jeder wissen dürfte, ist z.B. Luft ein schlechter Stromleiter, und wäre im Falle des Kabels eine verunreinigung, und das Kabel wäre nicht so gut Leitend, und könnte zudem auch schnell oxidieren. Oxidation ist auch nicht gut für einen guten Stromdurchfluss.

Im Kabelset ist in der Regel auch ein Sicherungshalter, sowie die Sicherung selbst, Ösen, und ein Cinchkabel enthalten. Also fast alles, was man zum Anschluß der Endstufe so braucht. Ein "ANL" Sicherungshalter ist besser als eine normale "Glassicherung", da bei dem ANL kein Glas brechen kann, weil keines verwendet wurde.

Hinweis bei Fahrzeugen wie z.B. Kombis oder Van´s:

In fertigen Kabelsets ist oft nur ein 5 Meter langes Pluskabel, Cinchkabel, oder auch Remotekabel vorhanden, was aber nur bis zu einer Fahrzeuggröße der Kompakt- oder Golfklasse ausreichend ist. Grob geschätzt müssen die Kabel etwa einen Meter länger sein als das Fahrzeug selbst, aber je nach Sitz der Batterie im Motorraum, und Sitz der
Endstufe im Kofferraum, kann dieser Wert stark variieren. Lieber etwas länger kaufen.



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Lautsprechertüftler der selbst konstruiert und nicht konsumiert.. ;-)

Für alle die erst noch Wissen in Erfahrung bringen müssen: Bitte "car-hifi-tipps-tricks-sowie-grundlagen " der Einfachheit halber lesen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Katakomba« (23. Oktober 2015, 23:34)


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