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Katakomba

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Mittwoch, 21. Oktober 2015, 21:34

Car-Hifi: Tipps, Tricks sowie Grundlagen, Teil 1.9 Leistung und Watt - Was ist wichtig?

1.9 Leistung und Watt - Was ist wichtig?

Eine kleine Anmerkung zu Endstufen (Verstärkern):

Es gibt zigtausend Watt für 69 Euro!?


Gerade in den letzten Jahren wird extrem übertrieben, wenn von der Leistung von Endstufen, Autoradios oder sogar Lautsprechern die Rede ist. Das hat leider dazu geführt, dass Wattzahlen mittlerweile recht inflationär in den Köpfen der Einsteiger herumgeistern. Was sind schon 4x50 Watt? Ausreichend sind sie, wenns dann "richtige" Watt sind! Die Kürzel hinter den Wattangaben sind entscheidend: Steht dort "Maximal-" oder "PMPO-"Leistung, sind diese Daten schlicht und einfach unbrauchbar. Achten muss man auf "RMS-", "Sinus-", oder "Nenn-"Leistung, die die tätsächliche Power eines Gerätes angeben. Hier wird zwar auch geschwindelt, aber nicht im großen Stil. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, schaut bei Internetseiten wie http://www.amp-performance.de vorbei, die Endstufen auf ihre tatsächliche Leistung prüfen, und zudem noch weitere hilfreiche Informationen bereitstellen. Dabei zu beachten ist die Prüfspannung von 13,5V, gemessen werden Endstufen meist mit der Lichtmaschinenspannung von 14,4V. "Entlarven" kann man dubiose Endstufen auch mit ihrem Sicherungswert, den man an den verbauten Sicherungen einfach ablesen kann: Multipliziert man den Sicherungswert (zum Beispiel 2x15A) mit der von der Lichtmaschine generierten Bordspannung von 14,4V, ergibt das die maximale Eingangsleistung (im Beispiel 30*14,4=432W). Davon ausgehend, dass eine durchschnittliche Endstufe etwa 50% der Eingangsleistung in Ausgangsleistung umwandelt, kann man errechnen, wieviel Watt letztendlich "rauskommen" (im Beispiel 432W/2=216W). Das sind nur ungefähre Werte und nochmal stark von der anliegenden Impendanz abhängig, aber sie helfen schonmal weiter. Es gibt genug "2600W"-Endstufen auf dem Markt, die reell betrachtet dann etwa 4x16W bieten und dazu noch grausam klingen. Fallt nicht auf solche Betrügereien herein! Meist erkennt man diese Endstufen aber auch am Preis. Für eine 2-Kanal-Endstufe sollte man mindestens mit einem Neupreis von 100 Euro rechnen, bei 4-Kanal-Endstufen mit einem Neupreis von etwa 150 Euro.


Noch kleine Anmerkungen, die unbedingt auch erwähnt werden müssen:

Lautsprecher mit "mehr Watt" sind lauter!?


Eine vom Marketing nie erwähnte, aber viel wichtigere Angabe ist der Wirkungsgrad (oder physikalisch richtiger der "Kennschalldruck") der Lautsprecher. Dieser ist nur etwas komplizierter und nicht so leicht manipulierbar, und damit kann man deshalb nicht auf Dummenfang gehen. Beim Wirkungsgrad wird gemessen, wie laut ein Lautsprecher bei 1 Watt Leistung auf 1 Meter Entfernung ist. Im Gegensatz zur Belastbarkeit lässt das wirklich Rückschlüsse auf die Lautstärke zu! Einige Hersteller geben statt 1W lieber die Spannung von 2,83V an, was aber nur bei einem 8-Ohm-Lautsprecher vergleichbar wäre, die meisten Autolautsprecher haben jedoch eine 4-Ohm-Impendanz. "Gemauschelt" wird also auch hier. Wenn 2,83V angegeben sind, sollte man mindestens 3dB runterrechnen, um auf einen vergleichbaren Wert zu kommen. Die physikalische Materie dahinter ist recht komplizert, aber stark vereinfacht lässt sich festhalten: Je höher der Wirkungsgrad, desto weniger Verstärkerleistung braucht man für die gleiche Lautstärke. Gerade bei Subwoofern, da diese am meisten Leistung brauchen, sollte man auf diesen Wert achten und sich an einem Wert um 88dB/1W/1m oder 91dB/2,83V/1m orientieren, natürlich gerne auch mehr.
Was dabei auch noch von Bedeutung wäre ist die Tatsache, dass bei manchen Subwoofern, oder auch Herstellern, bishin zu Frequenzen gemessen wird, bei denen der Subwoofer aber nicht mehr genutzt wird, oder nicht mehr genutzt werden kann. Das ist natürlich auch etwas gemauschel und Augenwischerei.
Kurz beschrieben:
Man kann auch nicht immer alleine nach Beispielsweise "88dB/1W/1m" gehen, da der Woofer auch bei über 80 Hz gemessen wurde, und nicht nur bis 80Hz.
Dabei erhält man dann logischerweise mehr Wirkungsgrad, als der Subwoofer tatsächlich in den tieferen Frequenzen als tatsächlichen Wirkungsgrad hat!
Eigentlich fällt der Wirkungsgrad bei Subwoofern
so gut wie immer mehr oder weniger stark nach 20 Hz hin ab. Das ganze kommt natürlich auch auf das verwendete Volumen, und die Gehäuseart beim Lautsprecher an. Dies bitte beim kauf eines Lautsprechers (im Gehäuse) immer berücksichtigen, und am besten immer Probehören wenn es geht.

Die Wattangabe, oder die Optik
sagt etwas über den Klang aus!?

Das ist natürlich total daneben.
Viel Watt heisst noch lange nicht guter Klang!
Es kommt auf die verwendeten Komponenten an. Es kann bei Lautsprechern sogar auf die verwendeten Membran- und Kalottenmaterialien ankommen, und natürlich auf die Verarbeitung, bzw. die Kombination von Materialien. Was nützt mir z.B. der schönste Subwoofergußkorb, wenn die Mechanik oder die verwendeten Materien darin einfach nur schlecht sind?
Von daher darf man auch nicht nur auf die Optik achten!


Subwoofer und Gehäuse: Wie bekomme ich Druck ins Auto?

Auch hier ist wieder ein wenig physikalische Grundkenntnis gefragt: Gerade an Subwoofern lässt sich immer sehr gut demonstrieren, warum Formeln und Rechnen so wichtig ist. Die erfolgreichsten Leute in beiden Welten, also dB-Drag oder Sound-Quality, haben gut berechnete Gehäuse, die dann durch praktische Experimente optimiert wurden. Man muss einige Grundlagen verstehen, um das gewünschte Ergebnis erreichen zu können, und selbst danach noch weiter ausprobieren und anpassen. Der Subwoofer, das Gehäuse, und das Auto müssen ein eingespieltes Team sein!


...Abhängigkeit von Anzahl der Lautsprecher oderSubwoofer (Dezibel, "dB"), und Abhängigkeit von zugeführter Leistung (Watt)

Was jeder wissen sollte:

Eine Erhöhung der Anzahl der Lautsprecher wie Hochtöner, Tiefmitteltöner, oder auch Subwoofer, verdoppelt nicht zwingend die Lautstärke!
Dabei auch beachten: Die Anzahl der Subwoofergehäuse verdoppelt ebenso wenig die Lautstärke. (Auch auf untenstehende Angaben achten!)
Dabei ist auch der Wirkungsgrad zu beachten, und die maximal zuführbare Leistung (Watt) x 1,25. Manche Lautsprecher (auch Woofer) vertragen manchmal deutlich mehr Leistung, als vom Hersteller angegeben wurde. Nur sollte man sich dazu an Fachhändler wenden, weil die Garantie mit viel mehr zugeführter Leistung erlischt, und man auch schnell den/die Lautsprecher durchbrennen lassen kann.
Hinweis: "Man" sagt das es bei +6dB eine verdoppelung der hörbaren Lautstärke gäbe, andere sagen bei +10dB verdoppele sich diese. Ich gehe eher von "+10dB" aus.

Erhöhung des Schalldruck-Pegels bei Verwendung mehrerer gleicher Lautsprecher, oder Lautsprecherchassis: (Unabhängig von der Wattleistung der Lautsprecher!)

Anzahl Lautsprecher
1 = +0 dB
2 = +3 dB
3 = +5 dB
4 = +6 dB
5 = +7 dB
6 = +8 dB
7 = +8,5 dB
8 = +9,5 dB
10 = +10 dB

Einfluß der zugeführten (Watt) Leistung auf den Schalldruck: (Abhängig auch von der Leistung die ein Lautsprecher verträgt!)
1 Watt = +0dB
10 Watt = +10dB
100 Watt = +20 dB
1000 Watt = +30 dB
10000 Watt = +40dB


Kleiner Tipp, für alle, die "noch mehr" aus Ihrer Anlage rausholen wollen:

Beide Fenster vorne bis zur Hälfte etwa runterlassen, das erhöht den Bass-Schalldruck zumindest im vorderen Fahrzeug-Bereich um ein gutes Stück. ;)
(Natürlich Hauptsächlich im Sommer zu empfehlen :D )

! Wichtiger Hinweis: Neue Subwoofer, oder auch Subwooferchassis, sollte man bei maximal mittlerer Lautstärke 20 Stunden einschwingen lassen. Andernfalls kann der Subwoofer bei höherem Pegel zerstört werden, und man hat auch keinerlei Garantieansprüche !

Abhängigkeit der Leistung einer Endstufe von verschiedenen "Impedanzen":

Die Impedanz eines Lautsprechers, oder auch Subwoofers, ist nichts anderes als oftmals der tatsächliche Widerstand bei einer bestimmten Frequenz.
Bei 2 Ohm z.B. hat eine Endstufe mehr Leistung, als an 4, oder 8 Ohm.
Das hängt einfach damit zusammen, das bei geringem Widerstand immer mehr Strom fließen kann, als bei einem hohen.
Allerdings geht dann auch die sogenannte "Dämpfung" zurück, also kurz gesagt: Der Lautsprecher, oder Woofer, wird nicht mehr so gut von der Endstufe "festgehalten".
Eine geringe Dämpfung sagt nicht immer aus, dass es nicht gut klingt, wenn sie etwas geringer ausfällt.
Meine Erfahrung ist bisher: Wenn ich z.B. 4 Ohm bei Lautsprechern verwende, statt 2 Ohm, dann klingt es nachher oft auch etwas besser.
Zum Schluss kommt es besonders bei Subwoofern auf die Dämpfung an, und natürlich auch stark darauf, wie passend das Gehäuse zum Subwoofer ist.
Auch kommt es auf die Musikrichtung an, in wie weit der Woofer auch tatsächlich in das Gehäusevolumen passt.
Dies gilt genauso bei selbst konstruierten Gehäusen wie bei fertigen Kombinationen von Woofern und Gehäusen.

Was unbedingt auch über die Impedanz gesagt werden musss:

Man darf die angegebene Mindest-Impedanz einer Endstufe NIEMALS unterschreiten!
Egal ob gebrückt, oder an einzelnen Kanälen. Man muss immer auf die Angabe vom Hersteller achten!
Das kann nämlich im schlimmsten Fall zur Zerstörung der Stufe führen!


(Mehr zum Thema Selbstbau von Subwoofern im Gehäusethread.)


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Lautsprechertüftler der selbst konstruiert und nicht konsumiert.. ;-)

Für alle die erst noch Wissen in Erfahrung bringen müssen: Bitte "car-hifi-tipps-tricks-sowie-grundlagen " der Einfachheit halber lesen.

Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von »Katakomba« (11. Januar 2016, 16:42)


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